Kerweschlumpel und heiße Luft in Säcken

08.09.2026

Kerwe 2026

Überschrift

– Die Neikercher Kerwe – ein Dorffest mit Tradition und Zukunft

Dass die Neikercher Kerwe auch für junge Leute interessant ist, zeigte sich gleich am Samstagabend: Der Spielmannszug Lohrbach hatte neben bewährten Flötisten und Percussionisten auch ganz junge Musiker nach Neunkirchen geschickt. Gemeinsam sorgten die Lohrbacher für ordentlich Stimmung zum Kerweauftakt. 

Als die Kerweborschte dann mit etwas Verspätung dazukamen, war das Kroneneck rund ums Rathaus schon in Feierlaune. Drei neue Kerwepfarrer stellten sich dem Publikum vor: Paul Lostorfer, Finn Mayerhöfer und Jona Knörzer teilten sich das Amt und traten damit in die großen Fußstapfen des langjährigen Kerwepfarrers Marc Kaiser. Die Kerwepredigt war wieder einmal eine Rückschau auf Neunkirchener Ereignisse und Personen des vergangenen Jahres. 

Da ging es um das mäßige Abschneiden des Sportvereins SVN („Wenn man die Tabelle umdreht, wären sie aufgestiegen“), um abgefahrene Autospiegel und andere Missgeschicke. Eine geniale Idee präsentierte Jona Knörzer: Nach den abgeschlossenen Bauarbeiten am Nahwärmenetz sei es dem Bürgermeister Bernhard Knörzer langweilig geworden, vermutete der Kerwepfarrer. Deshalb werde jetzt eine Kühlhalle an der Nahwärmezentrale gebaut. Die bemitleidenswerten Mitarbeiter des Bauhofs müssten nun im Sommer Säcke mit heißer Luft dorthin tragen. Die heiße Luft werde eingefroren, bei Bedarf wieder aufgetaut und ins Nahwärmenetz eingeleitet. Der Antrag auf Förderung liege schon in den letzten Zügen, wusste er zu berichten. 

Über die Bautätigkeit der vergangenen Monate lästerte auch Paul Lostorfer: Jeder Neunkirchener habe etwas von der Nahwärme, meinte er. Wenn es schon nicht die Heizungswärme sei, dann zumindest eine Baustelle vor der eigenen Haustür! 

Einig waren sich die Kerwepfarrer, dass man die Schlumpel auf jeden Fall vor den Haager Kerwekollegen schützen wolle; Max, der Haagemer Schlumpeldiebjäger, liege schon auf der Lauer! Daraufhin wurde die Schlumpel 2026 getauft, die liebevoll von Petra Frohnmüller und Annika Kandora-Dinkeldein gebaut und bekleidet worden war. „Ich taufe dich auf den Namen Nina, die Rohrverlegte – monatelang gewartet, tiefergelegt und dann doch noch warm geworden!“, mit diesen Worten eröffnete Paul Lostorfer die Kerwe 2026. 

Diese begann mit einer Panne. Beim Anstechen des Bierfasses brach wegen unmäßiger Kraftaufwendung der Zapfhahn ab und das Fass musste an die Zapfanlage angeschlossen werden. Das Bier schmeckte aber genauso gut und wurde freudig in Empfang genommen. Die Schaustellerfamilie Julius Mai und Söhne hatte wieder Kerwebuden und ein Kinderkarussell mitgebracht. Außerdem konnten die Kinder sich auf den XXL-Trampolinen vergnügen. 

Die Erwachsenen nutzten den Abend, um sich bei einer leckeren Bowle beim Bürgermarkt zu treffen oder eins der zahlreichen Speiseangebote zu genießen. Da gab es Gyros oder Schaschlik bei der Feuerwehr zu probieren, die Rauhen Kehlen boten Wildgulasch, Pulled Pork und Bratwürste an, und der Sportverein hatte wieder Tische und Bänke in den Hof neben dem „Goldnen Herz“ gestellt. Hier gab es leckere Hähnchen, Schnitzel, Wurstsalat und Knödel mit Pilzsauce. Auch die örtlichen Gastwirte boten wieder ein Extra-Kerweessen an. Ökumenischer Festgottesdienst und Krämermarkt am Sonntag, dazu der traditionelle Kirchenkaffee und eine Hüpfburg für die Kinder – dank der Vereine und Kirchen konnte bei schönstem Wetter wieder eine tolle Kerwe gefeiert werden. 

Die Leute hatten wieder einmal so richtig Zeit und Gelegenheit, Nachbarn und Freunde zu treffen und die neuesten Ereignisse ausführlich zu besprechen. Und die Schlumpel thronte bis zum Ende der Kerwe auf ihrem Platz im Rathausfenster. Also alles bestens. 

Ein kleiner Wermutstropfen waren lediglich die Zufahrtssperren aus Beton, die kurzfristig in enger Abstimmung zwischen Hauptamt und Bauhof organisiert und aufgestellt werden mussten. Dass es solche Barrieren aus Sicherheitsgründen überhaupt braucht, ist traurig. 

Und dennoch lässt sich Neunkirchen seine Kerwe nicht nehmen. Also, auf ein Neues im Jahr 2027!