Heiß, heißer, Krischenfest

01.07.2025

Neunkirchen feiert - drei Tage lang Gemeinschaft und Tradition

Vor vielen Jahren als Charme-Offensive für das Kirschenobst gegründet, hat sich das Neunkirchener Kirschenfest zum echten Publikumsmagneten entwickelt. Alle zwei Jahre stellt das Organisationsteam ein Programm auf die Beine, das sich sehen lassen kann. So auch in diesem Jahr: Es war zwar gnadenlos heiß, dennoch fand sich das Dorf plus auswärtige Besucher vor dem Rathaus und auf dem Festplatz ein. Glücklicherweise waren der Platz und die Ortsstraßen nach den sehr zügig beendeten Arbeiten an der Nahwärmebaustelle wieder freigegeben. 

Los ging´s am Freitagabend mit Live-Musik der Band „Recharged“, und das zum kleinen Preis. Am Samstagabend wurden die Kirschhoheiten vor dem Rathaus gekrönt. Der Sonntag war mit einem ökumenischen Gottesdienst, Frühschoppen im Festzelt, mit dem großen Straßenumzug, mit Dorfabend und Tanz gut ausgefüllt. Am Montag schließlich klang das Fest mit dem gemeinsamen Mittagessen im Festzelt aus.

Abschied und Krönung

Kein Kirschenfest ohne die Krönung der Kirschhoheiten: Herzlich dankte Bürgermeister Bernhard Knörzer der Kirschenkönigin Eileen Drebes mit ihren Kirschenprinzessinnen Janina Graßl und Nicole Weinreich für die charmante Repräsentation Neunkirchens in der Amtszeit 2023 bis 2025. „Es gab selten zwei aufeinanderfolgende Jahre, in denen die Kirschenernte so reichhaltig ausgefallen ist“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Der Bürgermeister begrüßte außerdem die neu zu krönenden Kirschhoheiten, die Kirschenkönigin 2025 Lennja Elsässer mit ihren Kirschenprinzessinnen Lilli Kuhnle und Julie Weinreich. Als Ehrengäste waren der Ehrenbürger und Amtsvorgänger Wolfgang Schirk und seine Gattin Maria, der Ortsgeistliche Pfarrer Goerke sowie als Überraschungsgast der Minister für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk dabei. Sein Dank galt auch dem Team der Kirschhoheiten, neben den Gemeinderätinnen Lara Schwindt und Katharina Werner ist die Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins Sabrina Weinreich neu mit dabei. 

Bei der Zeremonie der Amtsübergabe traten die neuen Kirschhoheiten aus dem Hintergrund nach vorne und erhielten ihre Krönchen. Die neue Kirschenkönigin Lennja Elsässer bat die Festgemeinde, sich beim Essen und Trinken, vor allem aber beim Tanzen nicht zurückzuhalten: „Schwingt die Hüften, bis die Füße wehtun!“, forderte sie die Besucher auf. Nach dem Kirschenfestlied des Sängerbundes wanderte die Festgemeinde zum Festplatz, wo vor allem der Getränkestand umlagert war. Hier sorgte die Kapelle „Die Mückenlocher“ für Feierstimmung.

Großer Kirschenfestumzug

Ein weiterer Höhepunkt ist traditionell der Kirschenfestumzug am Sonntagmittag. Toll, was die mitlaufenden Gruppierungen sich jedesmal ausdenken, um das aktuelle Geschehen in Neunkirchen witzig aufs Korn zu nehmen! Der Wagen der „Rauhen Kehlen“ und der Kerweborscht zeigte die Nahwärme-Baustelle mit echtem Bagger und Umleitungen in alle Richtungen. Der Kegelclub „Hau wech“ hatte einen Kirschkern-Nahwärme-Reaktor auf seinem Wagen mitgebracht. Die Kindertagespflege „Petras Mäuse-Zwergen-Nest“ hatte ebenfalls das Thema Bagger aufgenommen. Zusätzlich kühlten die Kleinen sich und andere mit Wasser aus Spritzpistolen.

Überhaupt die Kinder: Die Kleinen aus dem evangelischen Kindergarten nahmen als Sonne, Wolke, Erde, Biene oder Regenwolke am Umzug teil, eben alles, was die Kirschen zum Wachsen brauchen. Die Kinder aus den katholischen Kindergartengruppen liefen als Kirschen mit, ihren Gruppen entsprechend als Herzkirschen, Zwergkirschen und Waldkirschen. Die Grundschule Neunkirchen traten als „9kirchen trifft 6k United“ auf: Die Kinder waren begeistert, beim großen Chorprojekt mit 6000 Schülerinnen und Schülern in der SAP Arena Mannheim mitgesungen zu haben.

Der Spruch der Kindergartenkinder:
Die gute Herzkirsche macht uns stolz,
die Waldkirsche wächst im grünen Holz!
Die Zwergkirsche schmeckt süß und fein,
beim Umzug wollen wir fröhlich sein.

Natürlich war die Kutsche der Kirschhoheiten der Dreh- und Angelpunkt des Umzugs. Wie vor 2 Jahren hatte Marco Zwickl aus Waldbrunn seine Kutsche und die Pferde wunderschön geschmückt. Neu im Programm waren die „Kirschhoheiten für einen Tag“: „Wir wurden nie gefragt, heute sind wir Hoheiten für einen Tag“, war das Motto der Damen, die mit roten Schärpen mitliefen.

Die SVN Turngruppe, die 2. Fußball- und die Damenmannschaft des SVN, die THW-Jugend und die Jugendfeuerwehr, die Schlepperfreunde Aglasterhausen, dazu der Fanfarenzug Eberbach und die Bienemer Schnoogebadscher– alle Programmpunkte machten trotz Hitze einen tollen, gelungenen, ideenreichen Umzug aus.


Launiger "Dorfabend"

Am Sonntagabend stehen traditionell die Vereine und Organisationen im Wettkampf miteinander. Die Bürgermeisterwette lautete: „Ich wette, dass es euch nicht gelingt, bis 19:30 Uhr drei Kirschhoheiten aus den vergangenen Jahren samt Kleid auf der Bühne zu präsentieren“. Diese Wette verlor Bernhard Knörzer mit Pauken und Trompeten: Ganze zehn Kirschenprinzessinen und -königinnen kamen zusammen, worauf der Bürgermeister als Verlierer Kirschenschnaps ausschenken musste. Beim Kirschenlauf mit Kirschen auf dem Löffel gewannen die Kindergärten gegen die Kerweborscht, während beim Kirschkernzielspucken der Gemeinderat gegenüber den Kirschhoheiten knapp die Nase vorn hatte. Der Obstbaumwart Matthias Knörzer kannte sich beim Kirschsortenraten natürlich besser aus als die Väter der Kirschhoheiten während die Fußballerinnen mehr Luftballons zertraten als ihre männlichen Kollegen. Schließlich gewann das THW den Tanzwettbewerb. Das ging so: Am Anfang des Abends tanzten die Mädchen des SVN den „Wellerman Dance“ und den Linedance „Cotton Eye Joe“. Feuerwehr und THW mussten diesen Tanz möglichst originalgetreu nachtanzen.

Witzig und erfrischend wurde der Dorfabend von Sabrina Weinreich und Rafael Hoffner moderiert. Trotz der großen Hitze war das Kirschenfest ein voller Erfolg; das Zelt war genauso gut gefüllt wie in anderen Jahren – nur der Durst war größer.

Festimpressionen

Prolog der Hoheiten

Kirschenkönigin Lennja: Hallo ihr liewe Leit, jetzt isch widda so-weit. Alles steht bereit, für die diesjährige Kerschefeschdzeit! Mir sin heit zusamme kumme, ned nur wege de Kersche und dem Kerscheschnaps, sondern weil ma Neikerch mol widda beweise wolle. Ihr kennt froh sei, dass mir drei Kerschhoheite hier heit stehe. 

Kirschenprinzessin Lilli: Ihr kennts jo alle: Keeft ma Brötlin beim Bäcka- zack – Sackgass! Will ma zum Friseur Umleidung Fährt ma zur Schwiegamudda – na gut des war eigentlich keen Umweg – des war Absicht 

Kirschenprinzessin Julie: Seid Woche gleicht unser Dörfle em Labyrinth. Jeden Tag neue Straße zerisse, a neie Umleidung un seie ma mol ehrlich, mir kenne jetzt Gasse un Ecke, wo ma gar net wusste, dass es die gibt. 

Kirschenkönigin Lennja: Un wieso des ganze? Ned weil ma zu viel Geld hewe, oder so viel Spaß am Buddeln 

Kirschenprinzessin Julie: Nee mir baue Nahwärme. Kirschenprinzessin Lilli: Un des isch was Gescheids. 

Kirschenkönigin Lennja: Awa amol uner uns, liebe Neikercher. Es isch zwar bissle arg mit all dem Gebaggere. Wenn ma späder mol im Winder in de warme Stub hocke mit em Schäpsle in de Hand und wisse: „Des kummt alles ausm Dorf, ausm Bode, von uns“. 

Kirschenprinzessin Julie: Da lohnt sich jede Umleidung, jeder dreckiger Schuh und jedes Fluchwort beim Wendeversuch. 

Kirschenprinzessin Lilli: Also ihr liewe Leid, mir wolle eich ned länger ufhalde, denn heit feiern ma ned nur uns Kerschhoheide, sondern mir feiern a unser Dörfle, unsere Gemeinschaft und des wichtigschde: Unsere Kersche! 

Kirschenkönigin Lennja: In dem Sinn, ruf ma alle noch: Die Neikercher Kersche lewe hoch!