Aus dem Gemeinderat, 20.03.2025
24.03.2025
Waldwirtschaft und Gemeinde-App
Gemeinderat Neunkirchen beriet über zukunftsweisende Themen
Mehr als die Hälfte des Gemeindegebietes von Neunkirchen, nämlich 854 Hektar, besteht aus Waldflächen. Das ist erheblich mehr als der Landesdurchschnitt von einem guten Drittel Waldfläche. Von der Gesamtwaldfläche sind 476 Hektar Wald im Besitz der Gemeinde. Damit trägt der Wald nicht nur zur Ökologie, zum Wasserschutz und zur Erholung bei, sondern liefert auch einen Beitrag zum Haushalt der Gemeinde. Als gewählte Vertretung des Waldeigentümers beriet der Gemeinderat in seiner Märzsitzung turnusgemäß über die weitere Zielsetzung im Kommunalwald.
Zielsetzungen festlegen
Bürgermeister Bernhard Knörzer, der sich als studierter Förster intensiv mit dem Waldgeschehen beschäftigt, führte ins Thema ein. „Alle zehn Jahre nimmt ein Forsteinrichter der Forstdirektion Freiburg zusammen mit den Revierleitern die Waldbestände auf und plant verschiedene waldbauliche Maßnahmen für das nächste Jahrzehnt“, erklärte er. „Zwar haben wir in Neunkirchen noch eine gute naturräumliche Ausstattung und einigermaßen ausreichenden Regen, aber es gab in der letzten Dekade wegen Sturm und Dürre in einzelnen Jahren große Anstrengungen in Richtung eines klimagerechten Waldumbaus. Heute wollen wir die Ökologie, Wirtschaftlichkeit und den Erholungswert unseres Waldes neu festlegen.“
Forsteinrichtung als Planungsgrundlage
Steffen Meyer, Leiter des Fachdienstes Forst im Neckar-Odenwald-Kreis, erklärte die neue Grundlage der zehnjährlichen Waldplanung: Seit 2024 stützt sich der Forsteinrichter Frank Tröger vom Regierungspräsidium Freiburg auf die Handlungsleitlinie „Waldentwicklungstypen im Klimawandel“. Höhere Durchschnittstemperaturen, Sturmereignisse und markant geringere Niederschläge in den Jahren 2003 und 2018 haben zu größeren Schadholzmengen geführt und damit unplanmäßige Holzeinschläge erfordert, referierte der Fachdienstleiter. Im Neunkirchener Gemeindewald zeige seine Statistik 40 Prozent unplanmäßige Nutzungen wegen Schadholz im Jahr 2023, im benachbarten Bauland sogar 75 Prozent. Das Holz sei zwar von guter Qualität, es wäre aber normalerweise erst viel später genutzt worden und die Nutzung reiße damit ein Loch in zukünftige Haushalte. Verschiedene Baumarten bilden zusammen den klimastabileren Wald der Zukunft. Frohwüchsige Baumhasel und Douglasien sind gegen höhere Temperaturen und geringere Niederschläge besser gerüstet als unsere Buchen und Fichten. Eine Naturverjüngung dieser Baumarten und eine frühzeitige Pflege der Bestände spielen ebenfalls eine wichtige Rolle hin zum Klimawald der Zukunft.
Maßnahmen für Waldumbau
Zum klimagerechten Waldumbau gehören laut Steffen Meyer Naturnähe und Vielfalt bei der Wahl der Baumarten: Eiche, Tanne, Esskastanie und Douglasie erhalten im Wald der Zukunft einen besonderen Stellenwert, während Fichte und Buche sich weniger gut mit den klimatischen Veränderungen anfreunden können. Um dem Wald zu helfen, sollen geeignete Verjüngungsverfahren angewendet und Bodenschäden weitgehend vermieden werden. Wildbestände wie Rehe und Wildschweine müssen so begrenzt bleiben, dass sie die jungen Bäume nicht gleich wieder kahlfressen und irreparabel schädigen.
Wald als Kinderstube und Energielieferant
Zum zweiten Paket der Waldzielsetzungen gehören die Biotopsicherung und Biotoppflege mit einem Alt- und Totholzkonzept sowie mit Waldrefugien, die aus der Nutzung herausgenommen werden. Die Umweltbildung und Waldpädagogik habe in Neunkirchen einen hohen Stellenwert, wie man an der Gründung des Waldkindergartens ablesen könne. Dazu komme die wirtschaftliche Nutzung des Waldes als Rohstofflieferant für die Nahwärme-Heizzentrale. Damit werden ansonsten unwirtschaftliche Holzsortimente energetisch genutzt.
Wald als Thema für Gemeinde und Privatwaldbesitzer
Meyer wies auf Anfrage des Publikums darauf hin, dass Besitzer von Privatwald sich beim Fachdienst in Sachen Waldplanung beraten lassen können, wobei es auch Förderprogramme für einen klimagerechten Waldumbau gebe. Der Gemeinderat stimmte den Zielsetzungen der Waldwirtschaft einstimmig zu und wird sich bei einer Waldbegehung im April über die Herausforderungen und Fortschritte informieren.
Eine App für Neunkirchen?
Das zweite große Thema der Gemeinderatssitzung war die Kommunikation der Verwaltung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Neunkirchens. Derzeit bediene man über das Amtsblatt, Aushänge, Gemeinde-Homepage und Pressemitteilungen an die Tageszeitungen diverse Kommunikations-Plattformen, erklärte der Bürgermeister. Dennoch erreiche man eine Vielzahl der Bürger selten oder gar nicht. Deshalb beschäftige sich die Verwaltung mit der Möglichkeit, eine Neunkirchen-App fürs Handy einzurichten.
Vorteile einer App-Lösung
Dominik Pfeffer vom bayerischen Digital-Dienstleister Cosmema gab den Räten und Besuchern der Sitzung einen Überblick über die Anwendungen der eigens für den Bedarf von Städten und Gemeinden konfigurierten Kommunal-App. Die Gemeinde könne über eine Schnittstelle Inhalte der Homepage, Veranstaltungen und Formulare automatisiert auf die App überspielen. Ein besonderes Plus seien die Push-Nachrichten, mit denen App-Nutzer direkt mit wichtigen Nachrichten wie Hochwasserwarnungen oder einen Wasserrohrbruch informiert werden. Man könne auch den Abfallkalender, Öffnungszeiten und Ansprechpartner einstellen und die App mit Vereinen, Nachbargemeinden und übergeordneten Verwaltungsstellen verknüpfen. Ein zusätzliches Terminbuchungstool erweitere die Möglichkeiten. Genügend Mehrwerte? Eine lebhafte Diskussion schloss sich an die Vorstellung an: Während Bürgermeister Knörzer auf die Erleichterung für die Verwaltung und die komfortablen Möglichkeiten für die Bewohner hinwies, sahen einige Gemeinderäte keine oder kaum Mehrwerte der App bei erheblichen Kosten. Andere Räte sahen die Notwendigkeit, digitale Kanäle mehr als bisher in die Verwaltungsarbeit einzubinden. Mit acht Ja- und zwei Neinstimmen forderte der Gemeinderat die Verwaltung auf, weitere Informationen über App-Lösungen einzuholen und die Neunkirchener Vereine anzufragen, ob sie hier eine gute Möglichkeit für die Verbreitung ihrer Angebote sehen.
Einvernehmen und Fragen des Publikums
Der Gemeinderat erteilte sein Einvernehmen für ein Baugesuch und erteilte die Genehmigung für die Annahme von 23 Geldspenden. Auf Anfrage von Gemeinderäten und Besuchern informierte der Bürgermeister darüber, dass der Zeitpunkt für den Anschluss des Solarfeldes vom Netzbetreiber verantwortet werde. Das Ärztehausprojekt sei im Hintergrund aktiv und der Breitbandausbau gehe ebenfalls voran.
Informationen des Bürgermeisters
- Der Baufortschritt am Zeilweg befindet sich im Zeitplan.
- Der Wärmespeicher für die Nahwärme-Heizzentrale wurde isoliert, erste Außenarbeiten sind angelaufen. Am 7. Mai findet die erste Inbetriebnahme des Heizkessels mit geladenen Gästen statt. Am 11. Mai sind die Neunkirchnerinnen und Neunkirchner zum Tag der offenen Tür in der Heizzentrale eingeladen.
- Die Straßensperrungen wegen Baumaßnahmen werden ständig aktuell in der Gemeinde-Homepage (neunkirchen-baden.de) veröffentlicht.
- Der Durchgangsverkehr wird weiterhin um Neunkirchen herumgeleitet; Einheimische können die bekannten Ortsstraßen benutzen.
