Aus dem Gemeinderat, 24.07.2025
29.07.2025
Neunkirchens Gemeinderat beschließt neue Bau- und Energieprojekte
Wohngebiet „Hummelwiese“ und zwei Solarparks auf dem Weg zur Umsetzung
In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten Werner Steck und Dr. Eva Deuchert vom Ferdinand-Steinbeis-Institut die Ergebnisse einer Umfrage zur Wärmewende in Neunkirchen vor. Die Befragung hatte zum Ziel, die Beweggründe der Bürgerinnen und Bürger für oder gegen einen Anschluss an das Nahwärmenetz besser zu verstehen. Abgefragt wurden unter anderem Entscheidungsgründe, Informationsbedarfe und mögliche Vorbehalte. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur für den weiteren Ausbau der Nahwärme in Neunkirchen genutzt werden, sondern auch anderen ländlichen Gemeinden als Orientierung dienen. Der Gemeinderat nahm die Auswertung zur Kenntnis und befürwortete, die Ergebnisse in die künftige Planung und Kommunikation einzubeziehen. Die Studie wurde auf der Homepage der Gemeinde unter dem Punkt „Nahwärme“ veröffentlicht.
Im Anschluss an die Präsentation der Umfrage beschäftigte sich der Gemeinderat mit mehreren Bau- und Energieprojekten. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause gab das Gremium grünes Licht für gleich drei bedeutende Vorhaben: Neben dem Bebauungsplan „Hummelwiese“ wurden auch die Bebauungspläne für zwei neue Solarparks in den Ortsteilen Neunkirchen und Neckarkatzenbach verabschiedet. Besonders das Wohnbauprojekt war zuvor nicht unumstritten und musste ein zweites Mal in das reguläre Planverfahren überführt werden, nachdem das Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2023 sämtliche Bebauungspläne im vereinfachten Verfahren (nach § 13 b BauGB) für ungültig erklärt hatte. Die Planungen zu allen drei Vorhaben wurden vom Planungsbüro IFK aus Mosbach begleitet. Nach dem Aufstellungsbeschluss im November 2024 folgten die gesetzlich vorgesehenen Verfahrensschritte: Beteiligung der zuständigen Behörden und Fachstellen, Einholung von Bürgermeinungen sowie eine öffentliche Auslegung der Planunterlagen. Die eingegangenen Rückmeldungen wurden analysiert, überarbeitet und nun abschließend in die Pläne eingearbeitet, wie Bürgermeister Bernhard Knörzer informierte. Für das Baugebiet „Hummelwiese“ wurde zudem eine Wasserhaushaltsbilanz erstellt, wie von der zuständigen Fachbehörde gefordert. Laut IFK-Ingenieur Jürgen Glaser wurden im Rahmen des erneuten sogenannten Regelverfahrens rund 30 Institutionen zur Stellungnahme aufgefordert – teilweise bereits zum vierten Mal. Da viele dieser Stellen bereits mehrfach zum Projekt gehört worden waren, gingen diesmal nur noch wenige neue Anmerkungen ein. Eine Folge des Regelverfahrens: Es wurden zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen erforderlich. So wurde etwa ein Vertrag über ein Waldrefugium abgeschlossen, um den Eingriff ökologisch zu kompensieren. Im Vergleich zur ursprünglichen Planung kam auch die oben genannte Wasserhaushaltsbilanz neu hinzu. Diese vergleicht die natürliche Wasserführung vor und nach der Bebauung hinsichtlich Versickerung, Verdunstung und des Oberflächenabflusses. Während alle Werte im Rahmen blieben, überschritt der Direktabfluss mit 15 Prozent geringfügig den Zielwert von zehn Prozent. Gemeinderat Dr. Andreas Spohrer (Freie Wähler) erkundigte sich dazu nach der Wirksamkeit der vorgesehenen Retentionszisternen. Glaser erklärte, dass diese vom Volumen größer als normale Regenwasserzisternen seien und über eine Drossel das Niederschlagswasser zeitversetzt abgeben. Dadurch sinke die Belastung der Kanalisation und Überflutungen würden vermieden. Bürgermeister Knörzer ergänzte, dass die technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft würden. Für den Oberflächenabfluss sei außerdem ein breiter Entwässerungsgraben vorgesehen. Am Ende wurde der Bebauungsplan „Hummelwiese“ mit sieben Ja-Stimmen, zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung verabschiedet. Das Gebiet an der Pattbergstraße bietet Platz für vier neue Bauparzellen, ein weiterer Bauplatz befindet sich an der Karlstraße. Insgesamt umfasst das Areal etwa einen Hektar, davon rund 45 Prozent für Wohnbauzwecke, der Rest bleibt als Grünfläche erhalten – inklusive des bestehenden Spielplatzes. Ein weiteres zentrales Projekt ist der geplante Solarpark „Neurott Neunkirchen“. Dieser soll rund einen Kilometer außerhalb des Ortes an der Straße nach Zwingenberg entstehen und eine Fläche von etwa zehn Hektar einnehmen. Aufgrund der energiepolitischen Zielsetzung verlief das Genehmigungsverfahren zügig. Anpassungen nach öffentlicher Auslegung waren minimal. Auf Empfehlung der Fachbehörden wurden allerdings konkrete Höhenvorgaben für die Solarmodule festgelegt: maximal vier Meter Bauhöhe, mindestens ein Meter Abstand zum Boden. Eine vom NABU Mosbach angeregte intensivere landwirtschaftliche Nutzung unter den Modulen wurde vom Investor aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt. Dennoch sei die Einbettung der Anlage durch landschaftliche Begrünung gut gelöst, so Glaser. Der Gemeinderat stimmte dem Bebauungsplan mit neun Ja-Stimmen bei einer Enthaltung zu. Auch für den kleineren Solarpark „Neurott Neckarkatzenbach“ – geplant auf einer 4,3 Hektar großen Fläche – wurden die eingegangenen Stellungnahmen behandelt. Aufgrund der Lage im Landschaftsschutzgebiet Neckartal bedarf dieses Projekt allerdings einer zusätzlichen naturschutzrechtlichen „Zonierung“, die bislang noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Der Satzungsbeschluss wurde daher vorbehaltlich der Genehmigung des Zonierungsverfahrens mit acht Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen als sogenannter Vorratsbeschluss gefasst.
Des Weiteren entschied der Gemeinderat über die Vergabe der Ausbaumaßnahme „Kleine Straße“. Hierbei handelt es sich um einen Vollausbau der Straße, also sowohl Kanal- und Straßenbauarbeiten als auch die Anbindung an die Nahwärmeversorgung. Die Arbeiten werden an das wirtschaftlichste Bauunternehmen vergeben und sollen unmittelbar nach der Sommerpause beginnen. Architekt Stefan Butler vom Büro Planwerk Würzburg stellte das Projekt für ein neues Gesundheitszentrum unterhalb des Bauhofs vor. Geplant ist ein modernes, dreigeschossiges Gebäude, das künftig fünf gesundheitsnahe Dienstleistungsbereiche (u. a. Arzt- und Zahnarztpraxis, Physiotherapie) sowie vier Wohneinheiten beherbergen wird. Damit möchte die Gemeinde die medizinische Versorgung vor Ort langfristig sichern und neue Angebote schaffen. Der Gemeinderat begrüßte das Vorhaben ausdrücklich und beschloss, die Verwaltung mit der Begleitung des Genehmigungsverfahrens zu beauftragen. Weiterhin verabschiedete der Gemeinderat die Neufassung der Friedhofssatzung und der Hundesteuersatzung. Beide Satzungen wurden redaktionell überarbeitet und treten am Tag nach ihrer amtlichen Bekanntmachung in Kraft. Die Brennholzpreise für die kommende Saison bleiben unverändert. Sie gelten im Zeitraum vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026.
Aktuelle Informationen aus der Verwaltung
- In den Straßen „Zeilweg“ und „Am Waldrand“ wird in Kürze die Asphaltdeckschicht aufgebracht. Danach starten die Bauarbeiten im Bereich „Am Hackwald“.
- In der Talstraße und der Bergstraße werden zusätzliche Leitungen für die Straßenbeleuchtung verlegt und neue Lampen installiert.
- Nach der Kerwe beginnen die Ausbauarbeiten für die Nahwärme in der Kronenstraße, im Gartenweg und in der Luisenstraße. Auch die Kleine Straße wird im Vollausbau realisiert.
- Für den Hochwasserschutz in Neckarkatzenbach wird die Genehmigung des wasserrechtlichen Verfahrens in Kürze erwartet.
