Aus dem Gemeinderat, 23.07.2026
27.07.2026
Aus dem Garten in die Heizung
Gemeinderat Neunkirchen beschloss Brennstofflieferung von der Abfallwirtschaft Neckar-Odenwald
Der Nahwärmeausbau in Neunkirchen ist fast abgeschlossen – zumindest in der ersten Ausbaustufe. Etwa 200 Haushalte lassen sich bis zum Herbst 2026 mit Nahwärme aus Holzhackschnitzeln beliefern. In der Julisitzung des Neunkirchener Gemeinderats ging es um den Brennstoff für die Nahwärmezentrale: Etwa die Hälfte des benötigten Holzes von 8000 Schüttraummetern kommt aus dem Neunkirchener Gemeindewald. Für die andere Hälfte sollte nun ein Vertrag mit der KWiN Kreislaufwirtschaft Neckar-Odenwald geschlossen werden.

Ast- und Strauchschnitt für Nahwärme nutzbar machen
Grundlage für die Holzlieferung ist der holzige Ast- und Strauchschnitt, den die Bewohner Neunkirchens auf dem Grüngutplatz abgeben. Der Platz war in Besitz und Betrieb des Landwirts Walter Leibfried. Nach Betriebsaufgabe hat Leibfried den Platz mittlerweile an die KwiN veräußert. Da diese Menge für die benötigten 1000 Tonnen Holz nicht ausreicht, will die KwiN holziges Grüngut von allen Grüngutplätzen von Schwarzach bis Haßmersheim aufbereiten. Das holzige Material soll geschreddert und nach Neunkirchen transportiert werden. Hier kann es im Heizwerk direkt als Brennstoff dienen.
Dieses Vorgehen sei besonders wirtschaftlich, erklärte Sebastian Damm, Stellvertretender Geschäftsführer der KWiN, den Gemeinderäten und interessierten Zuhörern. Denn zum einen wird der Rohstoff Holz direkt wieder verwertet, zum anderen fallen mehr als 12.000 Fahrkilometer weg, wenn der Ast- und Strauchschnitt nicht mehr zur Aufbereitungsanlage nach Buchen und zurück gefahren werden muss.
Grüngutplatz ertüchtigen
Für die Aufbereitung will die Kreislaufwirtschaft den bestens geeigneten Grüngutplatz zwischen Neunkirchen und Neckarkatzenbach weiter ertüchtigen. Die Umfahrung des Platzes und der Annahmebereich sollen asphaltiert und der Platz um ein Fahrsilo erweitert werden. „Auf allen Grüngutplätzen soll Zug um Zug der Service für die Anlieferer erhöht und der Boden- und Grundwasserschutz verbessert werden“, erläuterte Sebastian Damm.
„Das Konzept hat nicht nur einen energetischen Nutzen, sondern auch eine positive Ökobilanz“, sagte Neunkirchens Bürgermeister Bernhard Knörzer. „Die Verwertung der Grüngutmengen aus dem Kleinen Odenwald sparen 12.600 Kilometer Transportstrecke ein und vermeidet dadurch CO2. Das Beste daran ist, dass die Nahwärmekunden die abgegebenen holzigen Grüngutmengen in Form von Heizungswärme zurückbekommen. Darüber hinaus entsteht ein regionales Energiezentrum, das stufenweise ausgebaut werden soll. Denn die KWiN beabsichtigt, auch die krautigen Anteile des Grünschnitts am Grüngutplatz in Neunkirchen aufzubereiten. Dazu soll eine Heißrotte aufgebaut werden, die für die Hygienisierung des Abfalls sorgt. Danach kann der behandelte Grünschnitt als Frischkompost abgegeben werden.“
Fragen der Gemeinderäte
Die Sorge der Gemeinderätin Katharina Werner wegen einer Lärm- und Staubbelastung durch LKW-Fahrten zum Grüngutplatz konnte Sebastian Damm beschwichtigen; die zusätzlichen Traktor-Kilometer würden sich im Rahmen halten und die Fahrten würden sich auf wenige Zeiten konzentrieren. Der Gemeinderat nahm den Beschlussvorschlag einstimmig an, sodass die Vereinbarung zur Lieferung mit Brennstoff nach der Gemeinderatssitzung unterzeichnet werden konnte. Diese fixiert die Liefermengen, die Qualität des Brennstoffs, die Vergütung und weitere Vertragsinhalte. Die Vergütung an die KwiN beträgt derzeit 9 Euro pro Schüttraummeter; dieser Preis ergebe sich aus den derzeitigen Marktverhältnissen und könne nach zwei Jahren angepasst werden, so Bürgermeister Knörzer auf Anfrage des Gemeinderats Matthias Knörzer. Die Menge an Holzhackschnitzeln solle ebenfalls an die Wärmeabgabe angepasst und bedarfsgemäß hochgefahren werden. Der Vertrag zur Brennstofflieferung wurde vom Gemeinderat ebenfalls einstimmig beschlossen.
Brennholzpreise 2026/27
Der Gemeinderat legte die Brennholzpreise ab 1.10.2026 bis 30.9.2027 fest und beschloss einstimmig, die Preise des Vorjahres zu belassen. Die Abgabe erfolgt durch die Gemeindekasse über ein Bestellformular an ortsansässige Personen, Gemeindebedienstete und ortsansässige Händler.
Sanierung und Erweiterung Turnhalle
Im April 2026 kam die erfreuliche Information, dass die eingereichte Projektskizze für die Sanierung und Erweiterung der Turnhalle Neunkirchen vom Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ ausgewählt wurde. Damit kann die Gemeinde einen förmlichen Zuwendungsantrag stellen. Voraussetzung ist ein erneuter Gemeinderatsbeschluss, der die Gemeindeverwaltung zur Einreichung berechtigt und die Bereitstellung des kommunalen Eigenanteils bestätigt. Gemeinderat Dr. Andreas Spohrer bat darum, ein Lüftungs- und Kühlkonzept zu bedenken. Gemeinderätin Lara Schwindt hob die Bedeutung einer Detailplanung für einen Aufzug hervor. Einstimmig votierte der Gemeinderat für die Einreichung des Förderantrags.
Mittagessen an Grundschule und im Kindergarten
Rechnungsamtsleiterin Judith Kuhn berichtete über die Versorgung mit Mittagessen für die Schul- und Kindergartenkinder. Diese wurde von Tiefkühlkomponenten, die von einer Küchenkraft erwärmt wurden, auf die Belieferung von der Johannes-Diakonie umgestellt. Die Kinder hätten sich größtenteils sehr positiv über das Essen geäußert, sagte Judith Kuhn. Gleichzeitig habe der Personalaufwand reduziert werden können. Nun wolle die Gemeinde auf Wunsch einiger Eltern das Angebot auch auf den Freitag ausweiten, und zwar ab dem neuen Schuljahr 2026/27. Diesem Vorschlag stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.
Unterschiedliche Ansichten gab es zum Thema Elternbeiträge. Die Verwaltung schlug einen einheitlichen Beitrag von 70 Euro pro Monat für alle Kinder vor; dies bedeutet etwa 5,50 Euro pro Essen. Bisher zahlten die Eltern 47 Euro im Monat für die Essensversorgung ihres Grundschulkinds und 64 Euro im Monat für Kindergartenkinder. Damit ergab sich für die Gemeinde ein jährliches Defizit von 15.000 bis 20.000 Euro für die Essensversorgung. Mit der Erhöhung der Beiträge verbleibt ein Defizit von etwa 6.500 Euro jährlich, das die Gemeinde zu tragen hat. Diese Subvention wurde in Frage gestellt, da die Gemeinde ohnehin finanziell schlecht ausgestattet sei. Jan Kellner und Dr. Andreas Spohrer sprachen sich für die Subvention aus, da sie den Eltern den Rücken stärke. Ralf Leibfried regte an, die Preise nach zwei Jahren auf den Prüfstand zu stellen. Mit neun Jastimmen und zwei Enthaltungen nahm der Gemeinderat den Preisvorschlag der Verwaltung an.
Baugesuche
Auch ein Baugesuch in Neckarkatzenbach gab Anlass zu regen Diskussionen: Ein Doppelhaus auf und an dem Fundament bestehender Garagen sei so groß dimensioniert, dass es sich nicht in den Innerortsbereich einfüge. Man habe mit den Bauherren darüber gesprochen, müsse jetzt aber über das Baugesuch entscheiden und schlage vor, das Einvernehmen und die Zustimmung in der jetzigen Form zu versagen. Zwei Gemeinderäte sagten, dass Neckarkatzenbacher Bürger sie auf dieses Vorhaben angesprochen und darum gebeten hätten, dies nicht zu genehmigen. Andererseits, so Gemeinderat Matthias Knörzer, wolle man Wohnraum schaffen. Ralf Leibfried erinnerte sich an den Bauantrag für die bestehenden Garagen: Man habe sie im Hinblick auf ein noch zu errichtendes Haus genehmigt, das aber viel kleiner geplant gewesen sei. Im Interesse des Ortsbildes und der betroffenen Nachbarn lehnte der Gemeinderat die Bauplanung in der jetzigen Form einstimmig ab. Der Errichtung einer Gaube an einem bestehenden Wohnhaus in Neckarkatzenbach wurde dagegen einstimmig das Einvernehmen erteilt.
Bekanntgaben
Bürgermeister Knörzer gab bekannt, dass die Eröffnungsbilanz 2020 für die Gemeinde Neunkirchen mit den Jahresrechnungen 2027 bis 2019 vom Landratsamt geprüft worden sei und insgesamt eine ordnungsgemäße und sachgerechte Erstellung ergeben habe. Einzelne Prüfbemerkungen würden derzeit noch bearbeitet. Aus nichtöffentlichen Sitzungen gab der Bürgermeister die Zustimmung des Gemeinderats zu einem Kommunaldarlehen für den Eigenbetrieb Energie bekannt. Dieses Darlehen sei im Wirtschaftsplan 2026 eingeplant gewesen.
Informationen des Bürgermeisters
- Für das große Engagement der Bürgerschaft und das gelungene Dorffest zum Abschluss der Nahwärmemaßnahmen bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Aktiven!
- Die Schlussrechnung der Nahwärmemaßnahme hat ergeben, dass wir im Planansatz bleiben. Das ist eine großartige Nachricht.
- Die Baustelle für den Hochwasserschutz Neckarkatzenbach wurde eröffnet. Die optimale Wetterlage ermöglicht erste Bauarbeiten zur Bachrenaturierung und -verlegung.
- Am Mittwoch, 29. Juli 2026, findet ab 18 Uhr eine Waldbegehung des Gemeinderats statt. Treffpunkt ist am Sängerheim, Kriegwald 2. Herzliche Einladung!
