Aus dem Gemeindrat, 26.02.2026

05.03.2026

Große Aufgaben, knappe Mittel

Kleine Straße in Neunkirchen
Kleine Straße in Neunkirchen

Gemeinderat Neunkirchen beschloss Haushalt 2026

In der Februarsitzung des Gemeinderats standen der Haushalt 2026, ein Bebauungsplan und ein Baugesuch auf der Tagesordnung. „Es ist kein Geheimnis, dass die Haushaltspläne der Kommunen im laufenden und in den folgenden Jahren sehr eng werden“, so leitete Bürgermeister Bernhard Knörzer das Haushaltsthema ein. „Bei schlechterer Einkommenssituation haben wir eine Steigerung der Ausgaben beispielsweise durch eine erhöhte Kreisumlage. Dennoch ist es gelungen, einen gesetzmäßigen Haushalt aufzustellen.“ 

Rechnungsamtsleiterin Judith Kuhn stellte die Eckpunkte des Haushalts vor, der von steigenden Ausgaben und sinkenden Einnahmen gekennzeichnet ist. Die finanzielle Notlage der Kommunen führte zu einem Finanzpaket des Bundes für investive Maßnahmen. Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich ab 2030 mit 68 % der Betriebskosten an der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen. Dennoch – die Ausgaben steigen durch erhöhte Energie-, Bau- und Personalkosten, und die Oktober-Steuerschätzung lässt weniger Einnahmen für die Kommunen erwarten. 

Die Einnahmenseite 
Den Löwenanteil der Einnahmen Neunkirchens machen die Steuern, darunter die Gemeindeanteile an der Einkommenssteuer (2,244 Mio. Euro) und die Schlüsselzuweisungen (2,042 Mio. Euro) aus. Dazu kommen Entgelte für öffentliche (467.300 Euro) und privatrechtliche Leistungen (391.192 Euro). Die Gewerbesteuereinnahmen werden auf 450.000 Euro geschätzt. Der Gemeindewald erbringt einen geplanten Überschuss von etwa 86.000 Euro. 

Ausgaben 
Auf der Ausgabenseite stehen vor allem Transferaufwendungen (3,14 Mio. Euro), Personalaufwendungen (1,17 Mio. Euro) und Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen (730.310 Euro). Insbesondere die Aufwendungen für Kindergärten (1,070 Mio. Euro) schlagen zu Buche, weil sie nur zum Teil durch Erstattungen abgedeckt werden. Auch an der um 132.000 Euro erhöhten Kreisumlage trägt die Gemeinde schwer. Im Ergebnishaushalt stehen Erträge von knapp 5,5 Mio. Euro und Aufwendungen von 5,94 Mio. Euro, macht ein veranschlagtes Gesamtergebnis von minus 442.206 Euro, das aus den Rücklagen ausgeglichen werden soll. 

Investitionen 
Trotz einer schwierigen Kassenlage – es geht nicht ohne Investitionen in die Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit Neunkirchens. Deshalb hat die Verwaltung eine Projektskizze für die Sanierung der Turnhalle eingereicht und hofft auf Bundesmittel. Im Haushaltsjahr 2026 sind Kosten von 255.200 Euro und eine Förderung von 191.400 Euro veranschlagt. Für die Baumaßnahme Kleine Straße sind für den Kanalaustausch 100.000 Euro an Restkosten und für die Straßensanierung 320.000 Euro eingeplant. Eine ELR-Förderung in Höhe von 124.00 Euro wurde bewilligt und eine Ausgleichstock-Förderung von 123.000 Euro beantragt. Für den Ausbau des Zeilwegs stehen noch Kosten von 320.000 Euro an, bei Fördermitteln von 123.850 Euro. Im Jahr 2026 werden die Hochwasserschutzmaßnahmen für Neckarkatzenbach voraussichtlich 800.000 Euro kosten, bei fast gleich hohen eingeplanten Fördermitteln. Für die Renaturierung des Krebsbachs sind in diesem Jahr 350.000 Euro veranschlagt, bei planmäßig 170.600 Euro Förderung. Für die Kontrolle und Sanierung von Abwasserkanälen sind 50.000 Euro und für die Nahwärmeanschlüsse der kommunalen Gebäude sind 100.00 Euro (bei 40.000 Euro Zuschüssen) eingeplant. Die Feuerwehr benötigt Atemschutzgeräte für 10.000 Euro, Notstromaggregate für 30.000 Euro sollen angeschafft und die neuen Padel-Courts mit 25.000 Euro bezuschusst werden. 

Zur Gegenfinanzierung plant die Gemeinde den Verkauf von zwei Bauplätzen in Neunkirchen und zwei in Neckarkatzenbach mit einem Erlös von 685.000 Euro. Außerdem soll ein weiterer Bauplatz im Baugebiet Worzenwiesen erschlossen (30.000 Euro Kosten) und verkauft (120.000 Euro) werden. 2026 wurde ein schon im Vorjahr genehmigter Kredit von 500.000 Euro eingestellt, nach Gegenrechnung mit dem Finanzierungsmittelbedarf bleibt ein Finanzierungsmittelbestand von 26.514 Euro. Auch in der mittelfristigen Planung bis 2029 ergeben sich im Ergebnishaushalt Fehlbeträge von 235.000 Euro (2027), 114.500 Euro (2028) und 79.000 Euro (2029), die allesamt aus Rücklagen gedeckt werden können. Im Finanzhaushalt rechnet die Kämmerin mit einem Minus von 38.500 Euro in 2027 und mit positiven Beständen in den beiden folgenden Jahren. Kreditaufnahmen zur Finanzierung der Investitionen werden voraussichtlich nicht nötig sein. Die Pro-Kopf-Verschuldung soll sich von derzeit 901 Euro auf 610 Euro Ende 2029 reduzieren. Einstimmig ohne Enthaltungen nahm der Gemeinderat den Haushaltsplan für 2026 und die Finanzplanung 2027 bis 2029 an. 

Wirtschaftsplan Eigenbetrieb Energie Neunkirchen 
Seit 2024 kommt der Nahwärmeausbau in Neunkirchen gut voran: Der Netzbau in den Bauabschnitten 1 bis 4 ist fast vollständig abgeschlossen, die Energiezentrale wurde 2025 in Betrieb genommen und bis Ende 2025 konnten gut 90 Hausanschlüsse ans Netz genommen werden. Bis April 2026 sollen die Restarbeiten des Großprojektes beendet sein. Ein Betriebstechniker kümmert sich um die Funktionsfähigkeit der Anlagen, Netze und Hausanschlüsse. Aufgrund technischer Probleme konnte die Rechnungsamtsleiterin die Abrechnung für den Wärmeverkauf erst Anfang 2026 durchführen. Deshalb musste für das Jahr 2025 ein Verlust von knapp 317.000 Euro geschrieben werden. Im Liquiditätsplan für verbleibt Ende 2025 ein Endbestand an Zahlungsmitteln von knapp 147.000 Euro. Für 2026 rechnet der Eigenbetrieb Energie mit 250.000 Euro für Leistungen und Materialaufwand, knapp 84.000 Euro für Personal, knapp 470.000 Euro für Abschreibungen und knapp 120.000 Euro für Zinszahlungen im Hinblick auf das aufgenommene Darlehen. Der Wärmeverkauf soll 600.000 Euro einbringen, dazu kommen Auflösungen von Zuschüssen von gut 252.000 Euro und von Beiträgen von gut 100.000 Euro, zusammen also Umsatzerlöse von knapp 953.000 Euro. Für 2026 wurde ein Investitionskredit über 300.000 Euro eingestellt. Der geplante Jahresgewinn 2026 beträgt knapp 30.000 Euro. Mittelfristig prognostiziert der Eigenbetrieb Jahresgewinne von jeweils knapp 77.000 Euro in den folgenden drei Jahren. Es sind keine weiteren Investitionskredite geplant. Der Gemeinderat nahm den Wirtschaftsplan 2026 mit Liquiditäts- und Finanzplan sowie die Liquiditäts- und Finanzpläne 2027 bis 2029 einstimmig ohne Enthaltungen an. 

Bebauungsplan Worzenwiesen 
Im Oktober 2025 beschloss der Gemeinderat die zweite Änderung für den Bebauungsplan Worzenwiesen. Vom 3. November bis 5. Dezember 2025 wurde der Aufstellungsbeschluss mit Bebauungsplanänderung im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung offengelegt. Nach Durchsicht der Stellungnahmen wurden eine Festsetzung zur insektenschonenden Beleuchtung und eine Vorschrift zum Bau von Zisternen mit gedrosselter Einleitung mit aufgenommen, um den Worzenwiesengraben bei Starkregen zu entlasten. Außerdem wurde ein Umweltbericht und der Fachbeitrag Artenschutz ergänzt. Der Gemeinderat billigte einstimmig die Änderungen und gab den Bebauungsplan zur erneuten Offenlegung und zur Beteiligung der Behörden frei. Auch dem Bau eines Einfamilienhauses in der Pattbergstraße wurde das Einvernehmen erteilt. 

Besucherfragen 
Am Ende der zügig durchgeführten Sitzung hatten die Besucher das Wort. Eine Frage betraf die Zusage von Investitionszuschüssen des Bundes über 1,2 Mio. Euro für Neunkirchen. Da die Vorgaben für diese Gelder noch nicht festgelegt seien, habe man das Geld bisher nicht eingeplant, antwortete Bürgermeister Knörzer. Falls alle Förderzusagen kämen und die Bundeszuschüsse nicht kombinierbar seien, könnte man das Geld unter anderem auch für die Herstellung von Fahrbahndecken und Gehwegen nutzen, sagte er. 

Ob es Fortschritte bei der Planung des Gesundheitszentrums gebe, wollten zwei weitere Besucher wissen. Der Bauträger wolle den Bau beginnen, wenn zwei Drittel der geplanten Praxen einen Vorvertrag geschlossen hätten, erklärte Bernhard Knörzer. Die Gespräche finden demnächst statt, und für alle vier Einheiten gibt es Interessenten, darunter ein Hausarzt und ein Zahnarzt, jedoch keine Apotheke. Dazu kommen einige Wohneinheiten im Obergeschoss. Der Verkauf des ehemaligen AWO-Freizeitheims habe dagegen bisher noch nicht realisiert werden können. Befragt zum Hochwasserschutz für Neckarkatzenbach, antwortete der Bürgermeister, dass der Erdbau in den nächsten Wochen beginnen werde, und zwar als notwendige Vorbereitung für den Straßenbau Richtung Neckargerach. Zur Maßnahme gehöre auch die Verlegung und Renaturierung des Krebsbachs und der Einbau eines Grobrechens. Die Straßenbaumaßnahme solle im Sommer beginnen und im Herbst abgeschlossen sein. Leider müsse dabei die Straße vollständig gesperrt werden. Der ergänzende Glasfaserausbau wird nach Auskunft von Infrafibre durch die Firma Schuler in den nächsten Wochen nach Abschluss des Nahwärmeausbaus durchgeführt werden. Der Bürgermeister bedankte sich zum Abschluss der Sitzung für die intensiven Nachfragen. 

Informationen des Bürgermeisters 

  • Nahwärme: Intensiv wird in der Straße „Auf der Wacht“, in der Bergstraße und danach in der Schwanheimer Straße gearbeitet. Dazu gehören Niederspannungsarbeiten am Netz und für die Straßenbeleuchtung. Da sich eine plangemäße Kostenentwicklung abzeichnet, können weitere Abnehmer ans Wärmenetz genommen werden. 
  • Für das Gesundheitszentrum wurde vor Weihnachten ein Bauantrag eingereicht und die Baufläche vorbereitet. Im Mai oder Juni will der Bauträger mit den Arbeiten beginnen, falls die Voraussetzungen erfüllt sind. 
  • Das Dorffest zur Feier der Nahwärmeversorgung wurde auf den 11./12. Juli 2026 vorverlegt.